Veteranentag des Landkreises Potsdam-Mittelmark in Treuenbrietzen

16. Jun 2026

Mehr als eine Lesung – ein Abend über Verantwortung, Erinnerung und Anerkennung

Rund 80 Gäste diskutieren über Auslandseinsätze, persönliche Erfahrungen und die Folgen des Dienstes für Soldaten und ihre Familien

Treuenbrietzen. Der Veteranentag ist noch jung. Erst seit 2025 wird er bundesweit begangen. Sein Ziel ist ebenso einfach wie anspruchsvoll: den Menschen Anerkennung zu schenken, die in den Streitkräften der Bundesrepublik Deutschland gedient haben oder noch dienen. Gleichzeitig soll er einen Raum schaffen für Gespräche über Erfahrungen, Belastungen und die Verantwortung einer Gesellschaft gegenüber denjenigen, die sie in Einsätze entsendet.

Wie wichtig ein solcher Tag ist, wurde am Montagabend in den Kammerspielen Treuenbrietzen deutlich. Rund 80 Gäste waren der Einladung des Landkreises Potsdam-Mittelmark gefolgt. Unter ihnen befanden sich aktive und ehemalige Soldaten, Reservisten, Kommunalpolitiker und interessierte Bürger.

Im Mittelpunkt stand die Lesung des Reservemajors André Deinhardt aus seinen Feldpostbriefen aus Afghanistan. Die Briefe schildern den Alltag eines Auslandseinsatzes, die Distanz zur Heimat und die Versuche, Erlebtes in Worte zu fassen. Doch schnell wurde deutlich, dass der Abend weit über eine Lesung hinausgehen würde.

Im anschließenden Gespräch sprach Deinhardt über die Erfahrungen hinter den Briefen – über Anspannung und Angst, über Kameradschaft und Verantwortung, aber auch über die Herausforderungen, die viele Veteranen nach ihrer Rückkehr bewältigen müssen. Es ging um Erlebnisse, die sich nicht einfach mit dem Ende eines Einsatzes abschließen lassen. Es ging um die Verarbeitung belastender Erfahrungen, um posttraumatische Belastungsstörungen, um Schlaflosigkeit, um die Rückkehr in einen Alltag, den Angehörige und Freunde oft ganz anders erlebt haben als die Soldaten selbst.

Dabei rückte auch die Rolle der Familien in den Mittelpunkt. Auslandseinsätze betreffen nicht nur die Soldatinnen und Soldaten. Sie verändern für Monate oder Jahre das Leben ihrer Partner, Eltern und Kinder. Die Sorge um einen geliebten Menschen wird zum ständigen Begleiter. Auch diese Erfahrungen fanden an diesem Abend ihren Platz.
In den Wortmeldungen aus dem Publikum zeigte sich, wie groß das Bedürfnis nach Austausch ist. Veteranen berichteten von eigenen Erlebnissen und machten deutlich, dass der neue Veteranentag für viele mehr ist als ein symbolischer Termin im Kalender. Er bietet die Möglichkeit, Erfahrungen sichtbar zu machen, die lange Zeit kaum öffentlich wahrgenommen wurden.

Landrat Marko Köhler bezeichnete den Veteranentag als wichtigen Beitrag zu einer Kultur der Anerkennung. Deutschland habe über Jahrzehnte oft selbstverständlich von den Leistungen seiner Soldaten profitiert, ohne ausreichend über deren Erfahrungen und Belastungen zu sprechen.

„Wer bereit ist, unserem Land zu dienen und dafür persönliche Risiken auf sich nimmt, verdient Respekt und Anerkennung. Das gilt für Soldaten ebenso wie für die Menschen in Feuerwehr, Rettungsdienst oder Katastrophenschutz. Eine Gesellschaft darf von diesem Einsatz profitieren, sie darf ihn aber nicht als selbstverständlich betrachten.“

Köhler verwies darauf, dass viele europäische Staaten seit Jahrzehnten Veteranentage kennen und diese fest in ihrer Erinnerungskultur verankert sind. Deutschland beginne erst jetzt damit, den Dienst ehemaliger und aktiver Soldaten stärker sichtbar zu machen. Der Veteranentag könne dabei helfen, Verständnis für die besonderen Erfahrungen von Einsatzkräften zu schaffen und die Verbindung zwischen Bundeswehr und Gesellschaft zu stärken.

Umso bedauerlicher sei es gewesen, dass nur wenige Lehrer und Schüler den Weg nach Treuenbrietzen gefunden hätten. Gerade für junge Menschen böten Veranstaltungen wie diese die Möglichkeit, jenseits politischer Debatten einen unmittelbaren Einblick in die Lebenswirklichkeit von Menschen zu erhalten, die in Krisengebieten und Konfliktregionen eingesetzt waren.

Die große Resonanz der Teilnehmer macht Mut für die Zukunft. Noch lange nach dem offiziellen Ende diskutierten die Gäste im Foyer und vor den Kammerspielen weiter. Es wurden Erfahrungen ausgetauscht, Kontakte geknüpft und erste Ideen für die Ausgestaltung des Veteranentages im kommenden Jahr gesammelt.

Der Abend machte deutlich, warum der Veteranentag geschaffen wurde: nicht, um Einsätze zu feiern, sondern um Menschen sichtbar zu machen. Menschen, die Verantwortung übernommen haben, oft unter schwierigen Bedingungen. Menschen, die Erfahrungen gemacht haben, die sie ein Leben lang begleiten. Und Menschen, deren Dienst und Opfer in der Mitte der Gesellschaft ihren Platz haben sollten.