Als in Bad Belzig der Bau begann, fehlte einer ganz besonders
Zwei Spaten stehen an diesem Freitagvormittag im Sand der Brücker Landstraße in Bad Belzig. Einer für Landrat Marko Köhler. Der andere für Jan-Rainer Winkelhaus. So war es jedenfalls einmal verabredet.
Noch wenige Wochen vor seinem tödlichen Unfall am 26. Februar 2026, beim Neujahrsempfang der Bundeswehr, hatte Köhler dem 39-jährigen Leiter der Rettungswache Bad Belzig versprochen: Wenn der Bau der neuen Wache endlich beginnt, machen wir den ersten Spatenstich zusammen.
Am Freitag hält Köhler sein Versprechen. Aber nur einen der beiden Spaten kann jemand in die Hand nehmen. Schon bevor der offizielle Baustart beginnt, wird es zwischen Grußworten und Fachgesprächen still. Feuerwehrleute, Kollegen aus dem Rettungsdienst, Vertreter des Landkreises und Gäste gedenken Jan-Rainer Winkelhaus. Eine Minute lang sagt niemand etwas.
Auch danach fallen einigen die Worte schwer. Man merkt den Feuerwehrleuten und Rettungsdienstkollegen an, dass der Tod von Winkelhaus kein abgeschlossenes Kapitel ist. Wer nach ihm fragt, erlebt keine routinierten Nachrufe. Stimmen stocken, Sätze werden kürzer. Die Trauer ist noch da.
Winkelhaus war nicht nur Feuerwehrmann. Er leitete die Rettungswache in Bad Belzig und hatte sich über Jahre immer und immer wieder für einen Neubau eingesetzt. Er kannte die alten Räume, die Enge, die Anforderungen an einen modernen Rettungsdienst. Für ihn war die neue Wache kein Bauprojekt auf dem Papier, sondern etwas, das seine Kollegen jeden Tag betraf.
Deshalb hatte er immer wieder dafür geworben, dass der Landkreis handelt. Und deshalb hatte Köhler ihm beim letzten Gespräch zugesagt: Noch in diesem Jahr geht es los. Das wird unser gemeinsamer erster Spatenstich.
Wenige Wochen später ist Jan-Rainer Winkelhaus tot. Auf winterglatter Fahrbahn verlor er wohl die Kontrolle über sein Fahrzeug, geriet in den Gegenverkehr und kollidierte mit einem Sattelzug. Nun steht der Landrat an der Stelle, an der die neue Rettungswache entstehen wird. Hinter ihm liegen Jahre der Planung, vor ihm Monate des Bauens.
Aber für einen Moment geht es weder um Baukosten noch um Termine. Nachdem sich Bauherr Köhler, Bürgermeister Robert Pulz und andere Offizielle für das Pressefoto zum Spatenstich aufgestellt haben, bleibt Köhler nachdenklich am Sandhaufen stehen. „Dieser Spatenstich ist auch für Jan-Rainer“, sagt Köhler. Dann greift er zum Spaten. Der zweite bleibt unberührt im Sand.
Später wird die neue Rettungswache ein ganz normaler Arbeitsort sein. Rettungswagen werden ausrücken, Kollegen Schichten übernehmen, Einsätze beginnen und enden.
Doch an den ersten Spatenstich werden sich im Landkreis Potsdam-Mittelmark wohl auch deshalb viele erinnern, weil einer fehlte, der diesen Tag unbedingt noch erleben wollte.