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"Gute Groschen" - Besonderer Münzfund in Teltow

Der Teltower Münzfund

Viele Gute Groschen – der erste Teltower Münzschatz 


Seltene Überraschung: Bei Bauarbeiten für ein Mehrfamilienhaus in der Potsdamer Straße in Teltow wurde erstmals ein Münzschatz entdeckt. Der Fundplatz liegt innerhalb des Bodendenkmals Teltower Altstadt, weshalb der Archäologe Lars Wendler aus Gortz (Amt Beetzsee, Potsdam-Mittelmark), die Erdarbeiten begleitete.

Beim Aushub der Baugrube zerschlug die Baggerschaufel ein Gefäß und einige Münzen fielen daraufhin in den Sand. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht zu ahnen, dass über 400 Münzen zum Schatz gehören würden. Alle Münzen lagen  in einem 15cm hohen Keramiktopf, der mit einem Boden eines weiteren Gefäßes abgedeckt war. Beide Gefäße sind typisch für die frühe Neuzeit des 16. und 17. Jahrhunderts und zeigen uns heute die Spardose eines kleinen Teltower Mannes und seiner Familie.

Das Grundstück liegt an der Alten Potsdamer Straße und grenzte damals an den Teltower Stadtwall. Der Fundplatz war der rückwärtige Garten. Für den Besitzer lag der Niederlegungsort sicher oberirdisch erkennbar am Fuß eines Baumes oder einer Gebäudeecke, um den wertvollen Inhalt später wieder zu finden.

Alle Münzen wurden vermessen, gewogen sowie nach Herkunft und Prägung bestimmt. Im Topf lagen ausschließlich silberne Groschen aus der Zeit zwischen 1572 bis 1633. Die 20 mm großen sehr dünnen Groschen wiegen jeweils etwas weniger als 2g. Die meisten Münzen, 261 Stück, datieren zwischen 1572 bis 1609 und stammen überwiegend von unterschiedlichen Münzprägestätten aus dem norddeutschen Raum, so aus der Grafschaft Schaumburg, dem Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorp sowie aus Göttingen, Hameln und Ravensberg. Neben 17 magdeburgischen gehören nur 5 brandenburgische Münzen in diese Zeit. Weitere 44 Münzen datieren direkt in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) zwischen 1623 und 1633 und wurden von den Kurfürsten in Sachsen und Brandenburg geprägt.

Münzen zwischen 1610 und 1622 fehlen im Schatz- und das aus gutem Grund: Dieser Zeitraum ist von einer extremen Münzverschlechterung geprägt. Es entstanden viele neue Münzprägestätten, die aber nur vorhandene Silbermünzen nutzten, um sie mit gleichem Münzwert aber weniger Edelmetall und mehr Kupferanteil erneut auszugeben. Man hat aus dem vorhandenem Geld so eben mehr Geld gemacht. Ab 1623 prägte man wieder hochwertiges Geld „Gutegroschen“, zu dem auch die Teltower Münzen gehören.

Groschen stellten kleine Münzwerte für den regionalen Markt dar. 400 Silbergroschen waren im 17. Jahrhundert ein bedeutendes Vermögen. Ein Zimmermann verdiente 7 Groschen am Tag und ein paar Schuhe kosteten etwa 18 Groschen.

Da die Münzen einen Zeitraum von 62 Jahren bis zur Niederlegung abdecken, gehörten die Münzen sicher nicht nur einer Person. Mindestens 3 Generationen füllten diese Spardose. Vielleicht hat ein Händler vorwiegend seine Waren in Niedersachsen verhandelt, wobei er manchmal bis nach Magdeburg zog. Seine Nachfahren konnten die Münzen über die Inflation retten und verließen Niedersachen, um nach Brandenburg zu kommen. Hier florierte das Geschäft wieder und weitere Münzen wurden gespart. 1633 kam die letzte Münze in den Topf.

Im 30jährigen Krieg plünderten 1634 Kaiserliche Truppen in Teltow, sodass das Münzgefäß möglicherweise im Vorfeld dessen versteckt wurde. Der ehemalige Besitzer konnte seinen Schatz nicht mehr bergen. Erst über 380 Jahre später kam der Schatz nun wieder ans Tageslicht.

Information der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark

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