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Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales kürt die vier besten Fachkräftenetzwerke Deutschlands

Gewinnerfoto Schule & Wirtschaftsforum PM

Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, hat heute die vier besten regionalen Fachkräftenetzwerke Deutschlands als „Innovatives Netzwerk 2019“ ausgezeichnet und diese auf dem 7. Innovationstag geehrt. Zum Thema „Die Arbeit von morgen gestalten! Netzwerke für Qualifizierung und Weiterbildung in kleinen und mittleren Unternehmen nutzen“ wurde in der Kulturbrauerei, einem der bedeutendsten Industriearchitekturdenkmäler Berlins, diskutiert, welche Lösungen die Regionen für sich bei der Fachkräftesicherung finden. 

Björn Böhning, beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Dr. Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), betonten in ihren Reden den überregionalen Stellenwert, der den vielfältigen und zukunftsweisenden Ideen regionaler Netzwerke zur Fachkräftesicherung zukommt.

„Der Fachkräftemangel hat viele Facetten. Je nach Branche, Altersstruktur der Belegschaft und Region ist er unterschiedlich stark ausgeprägt“, sagte Staatssekretär Björn Böhning. „Logisch, dass es deshalb keine Standardlösung gibt, die für alles passt. Aber es ist immer möglich, von guten Beispielen zu lernen. Dafür braucht es einen Austausch zwischen den Akteuren, und diesen organisieren regionale Fachkräftenetzwerke vor Ort und bundesweit. Und wer dabei mit gutem Beispiel vorangeht, soll dafür auch gewürdigt werden - wie die diesjährigen Gewinner des Wettbewerbs ‚Innovatives Netzwerk 2019‘.“

Auch Dr. Achim Dercks hob hervor: „Die Netzwerke zeigen mit ihren vorbildlichen Projekten, dass gemeinsames Handeln vor Ort zur Fachkräftesicherung beiträgt und damit insbesondere kleine und mittlere Unternehmen stärkt. Qualifizierung und Weiterbildung sind entscheidende Themen, gerade kleine Betriebe brauchen dazu Beratung, Informationen und bezahlbare Angebote. Viele Netzwerke in Deutschland, auch die heute ausgezeichneten, bieten hier Unterstützung. Das hilft den Betrieben, den Belegschaften und den Regionen.“

Um die in ganz Deutschland agierenden Fachkräftenetzwerke miteinander zu vernetzen, ihre Arbeit bundesweit bekannt zu machen und einen inhaltlichen Austausch zu aktuell wichtigen Themen und Trends der Fachkräftesicherung zu ermöglichen, wird einmal im Jahr der Innovationstag Fachkräfte für die Region veranstaltet. Mit der Auszeichnung als „Innovatives Netzwerk 2019“ wurden im Rahmen der Veranstaltung außerdem Fachkräftenetzwerke gewürdigt, die mit ihrer Arbeit Impulse für ganz Deutschland setzen. Dieses Jahr bekamen vier Netzwerke aus Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin die begehrte Auszeichnung als „Innovatives Netzwerk 2019“.  

 

Mehr Informationen zu den Netzwerken:  
Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen (Niedersachsen)  Der demografische Wandel ist auch in Nordostniedersachsen eine zentrale Herausforderung. Im Jahr 2031 werden laut Prognosen im IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg mehr als 50.000 Fachkräfte fehlen. Deswegen hat ein breites Bündnis von Partnern in Trägerschaft der IHK Lüneburg-Wolfsburg eine landkreisübergreifend angelegte Kampagne mit dem Namen „Moin Future“ ins Leben gerufen. Das Ziel von „Moin Future“ liegt klar auf der Hand: „Wir möchten junge Menschen aller Schulabschlüsse für die duale Berufsausbildung in unserer Heimat in Nordostniedersachsen begeistern“, so Dana Schumacher, Projektmanagerin der Kampagne. Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler aller Schulformen, die sich im Entscheidungsprozess hinsichtlich ihres weiteren Bildungsweges befinden, aber auch die Eltern, die bei der Karriereplanung ihrer Kinder eine wichtige Rolle spielen. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen Filme über Auszubildende, die sich mit einem älteren Gesprächspartner über die Entscheidungsgründe für eine Ausbildung, die ersten Schritte und den Alltag im Beruf unterhalten. Ihr Gegenüber fungiert als eine Art Mentor, der im selben Ausbildungsbetrieb tätig ist, die Situation aus eigener Erfahrung kennt und darüber hinaus auch über den eigenen beruflichen Werdegang erzählt. Seit Oktober 2018 ist „Moin Future“ online. Über das Projekt berichtete seitdem wiederholt die regionale Presse. Die Vernetzung relevanter Partner wie Wirtschaftsförderungen, Kammern, Arbeitsagenturen, Sozialpartner, Schulen und Unternehmen ist ein wichtiger Bestandteil der Projektarbeit, um die Vorteile guter Berufsausbildung in der Region nach außen zu tragen. Zu den weiteren zentralen Erfolgsfaktoren des Projekts zählt ein branchenübergreifendes Marketing.
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BANG StarterCenter GmbH (Nordrhein-Westfalen)  Der Kreis Paderborn teilt mit Blick auf den Arbeitsmarkt die Probleme vieler anderer Regionen in Deutschland. Es gibt immer mehr offene, langfristig unbesetzte Stellen. Darüber hinaus lassen sich auch in Ostwestfalen ein Trend zur Akademisierung und der demografische Wandel beobachten, mit entsprechenden Folgen für das Wachstum und den Fortbestand insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen. Das BANG Starter Center ist ein Ansatz, diese Probleme anzugehen. In den alten Klassenräumen einer ehemaligen Schule in Delbrück-Ostenland kommen Besucherinnen und Besucher in Kontakt mit dreizehn Berufewelten zum Anfassen – von der Metallverarbeitung über Zweiradmechanik bis hin zu Pflegeberufen. Insgesamt lassen sich 160 Berufe entdecken, in den Räumen gibt es auch Informationstafeln zu Verdienst- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Der eigentliche Clou ist aber, dass sich neben Schulklassen zehn weitere Zielgruppen wie z.B. einzelne Jugendliche und interessierte Erwachsene, Einheimische ebenso wie Geflüchtete, an 220 Tagen pro Jahr einen Überblick über das regionale Ausbildungsangebot machen können. Eröffnet im November 2017, haben bereits im ersten Jahr knapp 1.400 Menschen die Angebote des BANG Starter Centers in Delbrück genutzt. In den ersten 15 Monaten des Bestehens wurden über 60 Veranstaltungen durchgeführt. Regelmäßige Gespräche mit allen Beteiligten offenbaren dabei Bedarfe der Unternehmen etwa an Praktikanten oder Auszubildende ebenso frühzeitig wie die Orientierungsbedarfe von Arbeits- und Ausbildungsplatzsuchenden. Auf diesem Weg werden zusammen mit Unternehmen Formate entwickelt, die Berufe erlebbar machen, welche für die Wirtschaft in der Region zentral sind. Link zum Netzwerk   

Schule & Wirtschaftsforum PM (Brandenburg)  Der Landkreis Potsdam-Mittelmark (PM) südwestlich von Berlin steht sinnbildlich für viele andere Regionen in Deutschland: Unternehmen suchen dringend Fachkräfte und es ist schwierig, die Abwanderung junger Menschen in urbanere Gegenden zu verhindern. „Schule & Wirtschaftsforum PM“ stellt sich dieser Herausforderung. Das Netzwerk glänzt mit einer breiten Palette an unterschiedlichen Projekten und versteht sich als Dienstleister der regionalen Wirtschaft. Im Fokus der alltäglichen Arbeit steht mehr denn je das Thema Arbeitskräfte. So organisiert „Schule & Wirtschaftsforum PM“ individuelle Beratungen für Unternehmen zu Förderprogrammen, zur Arbeitskräftefindung und -bindung und auch Antragsverfahren. Zudem gibt es vier Mal pro Jahr einen Treffpunkt Wirtschaft PM, eine Abendveranstaltung zu verschiedenen Themenschwerpunkten mit jeweils etwa 70 teilnehmenden Unternehmensvertretern. Auf Grundlage der Wünsche der Unternehmen des Landkreises werden darüber hinaus seit 2018 mit großem Erfolg regelmäßig eintägige Workshops zu den Themengebieten Arbeitskräftefindung und Arbeitskräftebindung angeboten. An den Workshops nehmen maximal 25 Unternehmensvertreter teil, konkret geht es um Inhalte wie Employer Branding, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Optimierung des Recruitings. Natürlich profitieren davon auch die jungen Menschen aus der Region: Beispielsweise wählen Jugendliche ihre Praktikumsplätze gezielter aus. Sie nutzen nicht nur Optionen, die das private Umfeld bieten, sondern gehen gezielt auf potenzielle Ausbildungsbetriebe zu, die sie im Rahmen der Maßnahmen kennengelernt haben. Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat sich in seinem Leitbild das Ziel gesetzt, dass jedem Unternehmen die notwendigen Fachkräfte zur Verfügung stehen. In diesem Kontext versteht das Netzwerk das Thema Arbeitskräftesicherung als Daueraufgabe.  Link zum Netzwerk   

Tech in the City e. V. (Berlin)  Die Fachkräfteknappheit bei Berufen wie Entwickler/in, Daten-Analyst/in oder Produkt-Manager/in könnte das Wachstum der Digitalwirtschaft bremsen. Gleichzeitig fehlt es an adäquaten Angeboten in der dualen Ausbildung wie auch an den Universitäten, um in einem ausreichenden Maß für Nachwuchs in der Tech-Branche zu sorgen. Erschwerend kommt hinzu, dass Unternehmen aus der Digitalbranche bisher eher selten mit den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern bei der Suche nach neuen Fachkräften zusammenarbeiten. Ein Grund dafür: Viele Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittler informieren aufgrund von zu geringem Hintergrundwissen über Anforderungsprofile und Voraussetzungen für eine Karriere in der Digitalbranche nur selten über diesen Arbeitsbereich oder fördern Interessierte mit Weiterbildungen. Um diesem Mangel entgegenzuwirken, hat sich der Verein „Tech in the City“ gegründet und das Format der „Startup Safari“ entwickelt. Dieses Angebot bietet eine attraktive Plattform, auf der sich Unternehmen der Digitalindustrie und die Beraterinnen und Berater der Agentur für Arbeit und Jobcenter näherkommen können. In diesem Format fahren bis zu 30 Interessierte per Bus zu drei Unternehmen der Tech-Branche und lernen darüber hinaus weitere Gastrednerinnen und Experten aus der Branche kennen. Die teilnehmenden Unternehmen, darunter Startups, Inkubatoren, Acceleratoren und Co-Working-Spaces, öffnen für je 1,5 Stunden ihre Türen und sprechen mit den Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittlern über ihre Wünsche an zukünftige Mitarbeiterinnen sowie Mitarbeitern und geben Einblicke in ihren Arbeitsalltag. „Damit möchten wir die Bereitschaft der Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittler steigern, die Digitalbranche in ihre Beratungskonzepte intensiver aufzunehmen.“, erklärt Projektleiterin Duygu Cebiroğlu. Insgesamt hat der Verein über 600 Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittler sowie Berufsberaterinnen und Berufsberater und Jobcoaches auf über zwanzig „Startup Safaris“ begleitet und geschult. Darüber hinaus konnten 700 Arbeitssuchende der Agentur für Arbeit und Jobcenter mit Formaten über Einstiegsmöglichkeiten und Karrierechancen in der Tech-Branche informiert werden. Auf der Unternehmensseite haben sich zudem bereits über 100 Unternehmen geöffnet und arbeiten bei der Rekrutierung ihrer Fachkräfte enger mit den öffentlichen Institutionen zusammen. „Tech in the City“ ist eine langfristige Unterstützung der Tech-Branche besonders wichtig. Deshalb pflegt der Verein ein intensives Beziehungsmanagement. Durch die Netzwerkarbeit entstehen darüber hinaus zwischen den beteiligten Akteuren neue Veranstaltungen und Kooperationen. Link zum Netzwerk

 

 

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