Aktuelles, Wirtschaft und Arbeit

Eröffnung der Heidelbeersaison 2021

v.l.n.r. Prof. Schröder, Landrat Blasig, Antje Winkelmann, Theresia Ruffert, E. A. Winkelmann, Torsten Zadow

Aufgrund der Corona Abstandsregeln hatte Hofchef Ernst-August Winkelmann alles so organisiert, dass die vielen Gäste in gebührender Entfernung voneinander direkt an der Selbstpflückanlage Platz nehmen konnten. Zur Saisoneröffnung der Heidelbeerernte waren der Landrat des Landkreises Potsdam-Mittelmark Wolfgang Blasig, der stellv. Bürgermeister der Stadt Beelitz Torsten Zado, der Vorsitzende der Fachgruppe Ost des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg Thomas Bröcker , Prof. Dr. Fritz-Gerald Schröder von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, Bereich Gartenbau und die Brandenburger Erntekönigin Theresia Ruffert nach Klaistow gekommen.
In den letzten Jahren haben sich nach Angaben des Gartenbauverbandes in Brandenburg 23 Betriebe auf den Anbau von Kulturheidelbeeren spezialisiert. Spitzenreiter ist der Landkreis Potsdam-Mittelmark gefolgt von Oberhavel und der Prignitz. Inzwischen hat die Heidelbeere dem Sanddorn den 1. Rang abgelaufen.
Die Kulturheidelbeeren waren im Jahr 2019 mit 387 Hektar erstmals die dominierende Strauchbeerenart. Gegenüber 2019 gab es 2020 eine Anbauerweiterung um 20 Hektar. Der durchschnittliche Ertrag lag 2019 bei 39,3 Dezitonnen pro Hektar (dt/ha). Leider waren die Erträge 2020 durch den Witterungsverlauf wie Spätfröste und starke Hitze beeinträchtigt, so dass 14 % weniger gegenüber 2019 geerntet werden konnte.

Die in Brandenburg angebauten Heidelbeeren stammen den Angaben zufolge von einer nordamerikanischen Wildform ab. Im Gegensatz zu den heimischen kleineren Blaubeeren wachsen die dickeren Kulturheidelbeeren an bis zu zwei Meter hohen Sträuchern und haben eine blaue Schale und helles Fruchtfleisch. Ein Strauch kann einen Ernteertrag von vier bis zehn Kilogramm erbringen.

Landrat Wolfgang Blasig betonte in seinen Ausführungen, dass die Corona-Krise auch vor der Landwirtschaft nicht Halt gemacht habe.
So ist der Obst- und Gemüseanbau auf „Handarbeit“ angewiesen und damit auf Arbeitskräfte, die diese erledigen. Weltweite Reisebeschränkungen, Kontaktsperren und Quarantänebestimmungen stellten diesen Bereich der Landwirtschaft deshalb vor große Probleme. Dazu kam, dass Lieferketten sehr beeinträchtigt waren und auch Absatzmärkte wie Gastronomie und Hotellerie aufgrund deren monatelanger Schließung vollkommen weggebrochen sind.  Diese Ungewissheit beeinträchtigte die Landwirte auch in Punkto Investitionsentscheidungen.

Auch habe Corona die Wertschätzung für die heimische Landwirtschaft kräftig gesteigert, so Blasig. „Viele Bürgerinnen und Bürger waren durch die Pandemie gezwungen wesentlich mehr als sonst zu Hause zu kochen. Eine große Anzahl hat dabei verstärkt auf frische, gesunde und regional erzeugte Lebensmittel gesetzt. Die Hofläden waren von den allgemeinen Schließungen im Lockdown nicht betroffen und so haben Verbraucherinnen und Verbraucher häufig den Weg zur regionalen Landwirtschaft gefunden und deren Wert an sich erkannt.“

Der stellv. Bürgermeister der Stadt Beelitz Torsten Zado sprach das Thema Regionalität von Obst und Gemüse an. Er freue sich immer, wenn er im Supermarkt Produkte aus der Heimat oder näheren Umgebung entdeckt. Er gab zu bedenken, dass viele Waren tausende von Kilometern mit LKW, Schiff oder Flugzeug transportiert werden und Regionalität dabei schon auf der Strecke bleibe. Umso mehr freut er sich, dass Buschmann & Winkelmann nach einer regulären Ausschreibung die gastronomische Versorgung der LAGA 2022 übernehmen wird. Spargel, Heidelbeeren, Erdbeeren und Kürbis kommen neben weiteren Erzeugnissen dann hier aus der Region und werden den Gästen sicherlich munden.

Der Vorsitzende der Fachgruppe Ost des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg Thomas Bröcker bemerkte, dass Landwirtschaft und Gartenbau neben den klimatischen Bedingungen von vielen anderen Faktoren abhängig sind u.a. von vielen Entscheidungen der Politik. Neben der fortwährenden Optimierung von Betriebsmethoden gehöre wissenschaftlich kontrollierter Pflanzenschutz sowie eine vernünftige Mineraldüngung zur rentablen Bewirtschaftung. „Auch wenn sich die Maßnahmen ändern – die Kulturpflanzen müssen gesund erhalten werden. Deshalb ist der Verzicht auf Pflanzenschutz keine Option“, so Bröcker.  
Betriebe wie Buschmann & Winkelmann sind gut aufgestellt. Er macht sich Sorgen um die kleinen Familienbetriebe, die unter den globalen Bedingungen oftmals keine Chancen haben. Seiner Meinung nach, werden viele dieser kleinen Unternehmen in den nächsten Jahren verschwinden.

Ernst-August Winkelmann berichtete über die Schwierigkeiten und Probleme durch Corona. Die Betriebsergebnisse haben durch den Lockdown im vergangenen und auch in diesem Jahr ziemlich gelitten. Dennoch blickt er hoffnungsfroh in die Zukunft und dankte in diesem Zusammenhang den fleißigen Erntehelfern aus Polen, Rumänien und allen anderen MitarbeiterInnen, die sich tagtäglich um die Pflanzen, die Ernte, den Vertrieb der Produkte und das Wohl der Gäste sorgen und kümmern. Er hoffe auf eine reichliche Beerenernte, denn Spätfröste seien in diesem Jahr zum Glück ausgeblieben. Trotzdem blickt er immer mit Sorge zum Himmel, wenn wieder Gewitter im Anzug sind. Schnell kann ein Hagelschauer die Ernte zu Nichte machen.    

Prof. Dr. Fritz-Gerald Schröder von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden ging zum Abschluss auf die globalen Vermarktungsstrategien ein. Beerenfrüchte sind weltweit gefragt. Gegenüber Ländern wie USA, Kanada oder Peru sind die Anbauflächen und Erträge in Deutschland eher überschaubar. Insbesondere Peru habe in den vergangenen Jahren mächtig expandiert, zumal dort klimatische Bedingungen herrschen, die teilweise 3 Ernten im Jahr möglich machen.  Trotzdem müsse man sich nicht sorgen, denn die deutsche Landwirtschaft sei gut aufgestellt. Immer in Krisensituationen wird den Menschen deutlich, wie systemrelevant die Landwirtschaft ist. Tiere und Pflanzen müssen jeden Tag versorgt werden. So etwas könne man nicht aus dem Homeoffice machen. Leider wird das zu schnell wieder vergessen.
In diesem Sinne stimmte es die Besucherinnen und Besucher froh, dass junge Menschen wie die Erntekönigin Theresia Ruffert nach dem Landwirtschaftsstudium zurück in die Praxis möchte. Auf die Frage von Moderator Ingo Dubinski wo sich Theresia in Zukunft sehen wird, kam es wie aus der Pistole geschossen; im Kuhstall. Eigentlich wollte sie als Kind LKW-Fahrerin werden. Aber nun sieht sie Ihre Passion in der Landwirtschaft. Dieser Berufszweig sei inzwischen sehr innovativ und anspruchsvoll und habe mit dem Klischee des dummen Bauern reineweg gar nichts mehr zu tun!

Weitere Bilder

Landrat Blasig im Gespräch mit der Erntekönigin
Zum Seitenanfang